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as deutsche Erbrecht ist umfangreich. Es regelt den Umgang des positiven und negativen Vermögens, das eine Person (der Erblasser) nach seinem Tod hinterlässt. Privatpersonen beschäftigen sich damit oft nicht gern, da es sie an ihre eigene Sterblichkeit erinnert. Verständlich, aber nicht smart. Es ist wichtig, über die Grundzüge des Erbrechts Bescheid zu wissen. So lässt sich der Umgang mit dem eigenen Nachlass besser planen. Auch für künftige Erben ist ein Blick ins Erbrecht hilfreich. Auf diese Weise ist im Vorhinein bekannt, welche Rechte und Pflichten mit einem Nachlass auf einen zukommen können. In unserem Online-Ratgeber haben wir für Sie zahlreiche Artikel zu wichtigen Themen rund ums Erbrecht hinterlegt. Dieser Beitrag gibt Ihnen einen kurzen Gesamtüberblick.

Erben: gewusst wie

So traurig der Tod eines nahen Angehörigen, Freundes oder Bekannten ist, eine Erbschaft kann Grund zur Freude sein. Ist sie das nicht, dann liegt es meistens daran, dass der Nachlass negative Werte enthält, die die positiven Vermögenswerte übersteigen. Kurzum: Sie erben Schulden. Für gewöhnlich ist es dann besser, auf das Erbe zu verzichten. Dies können Sie tun, indem Sie die Erbschaft ausschlagen. Dafür haben Sie sechs Wochen nach Kenntnisnahme vom Erbe Zeit. Tun Sie nichts und verstreicht die Frist, geht der Gesetzgeber davon aus, dass Sie die Erbschaft angenommen haben. Prüfen Sie deshalb - trotz der Trauer - rechtzeitig, ob es sich lohnt, das Erbe anzunehmen.

Eine weitere Frage, die sich oft stellt, ist: Werde ich erben? Das hängt von zahlreichen Faktoren ab. Hat der Erblasser weder ein Testament gemacht noch einen Erbvertrag unterzeichnet, greift die gesetzliche Erbfolge. Nach ihr erben die Ehepartner und die nächsten Angehörigen des Verstorbenen. Gehören Sie zu diesem Kreis und sind Sie durch ein Testament oder einen Erbvertrag enterbt worden, steht Ihnen immer noch ein Pflichtteil zu.

Eine Erbschaft kann auch Pflichten mit sich bringen

Eine Erbschaft kann mit zahlreichen Plichten einhergehen. Hier ein paar Beispiele:

- Bezahlung von Beerdigung und Grab

- Grabpflege und auf Wunsch des Erblassers auch Auflagen wie das Legen von Rosen auf das Grab etc.

- Übernahme von Vereinsbeiträgen

- Pflege von Tieren

- Versenden von Erinnerungsfotos an eine im Ausland lebende Familie

- Auszahlung des Pflichtteils

- Unterhaltsleistungen

Dies ist nur eine kleine Auswahl an Pflichten, die auf den Erben zukommen können. Kommt er ihnen nicht nach, kann ihm der Nachlass entzogen werden. Ausgenommen von dieser Regelung sind »unsittliche Auflagen«. Dazu würde beispielsweise zählen, dass der Erbe ohne eine baldige Heirat das Erbe nicht annehmen kann.

Obacht vor der Steuer

In Deutschland gibt es die sogenannte Erbschaftsteuer. Bei zahlreichen Erbschaften entfällt sie jedoch, denn nahe Angehörige und Ehepartner profitieren von einem hohen Steuerfreibetrag. Er richtet sich nach dem Verwandtschaftsverhältnis zum Erblasser. Zudem lassen sich durch frühzeitige Schenkungen und andere legale Maßnahmen Erbschaftsteuerzahlungen umgehen. Wer hohe Werte vererbt, sollte sich daher frühzeitig im Leben mit der Erbschaftsteuer auseinandersetzen und sich kompetent von einem Steuerberater informieren lassen.

Ein Beispiel: Sie vererben eine sehr teure Immobilie in München an Ihren Neffen. Der Nachlass liegt damit über dem Steuerfreibetrag, sodass Ihr Neffe Steuern bezahlen müsste. Das können Sie umgehen, indem Sie die Immobilie mit einem Wohnrecht oder Nießbrauch belegen. Dadurch mindert sich der Immobilienwert und liegt innerhalb der Steuerfreibetragsgrenze.

Ein guter Erblasser baut vor

Irgendwann tritt jeder aus dem Leben. Den Angehörigen zuliebe ist es smart, für diesen Zeitpunkt vorbereitet zu sein. Wie bereits erwähnt, lässt sich mit einem gut durchdachten Plan Erbschaftsteuer vermeiden. Auch Streitigkeiten unter den Erben können Sie so verhindern. Sollten Sie keine Erben haben, überlegen Sie sich frühzeitig, wer Ihr Vermögen erhalten soll. Vielleicht haben Sie gute Freunde, einen Verein oder eine gemeinnützige Organisation im Kopf, die sich über Ihren Nachlass freuen würde. Bestimmen Sie per Testament keine Erben, erhält letztlich das Bundesland Ihres Wohnortes alles.

Per Testament die gesetzliche Erbfolge umgehen

Die gesetzliche Erbfolge greift immer dann, wenn es kein Testament und keinen Erbvertrag gibt. Sie umgehen diese, indem Sie ein Testament aufsetzen. Wer laut Ihrem letzten Willen erbt, legen Sie fest. In Deutschland herrscht die Testierfreiheit. Allerdings existiert eine Einschränkung: Pflichtteilsberechtigte können Sie nicht komplett enterben. Ihnen steht ein Pflichtteil zu, der sich auf 50 % des regulären Erbteils beläuft. Um den Pflichtteil nicht zu zahlen, besteht die Option zum Pflichtteilsverzicht.

Das Testament ist ein bindendes Dokument, sofern es den formalen Anforderungen genügt. Damit Sie beim Testament keinen Fehler machen, empfiehlt sich der Gang zum Notar. Er hinterlegt es auch für Sie, sodass es beim Erbfall zur Verfügung steht. Alternativ hierzu schreiben Sie das Testament selbst und bewahren es sicher auf oder geben es beim Amt zur Verwahrung ab.

Streitigkeiten ums Erbe sind üblich

Keine Erbschaft ohne Streit - das ist (fast) eine Regel, von der Gerichte und Anwälte zu berichten wissen. Die Streitigkeiten sind nicht nur emotional belastend, sondern führen oft auch zu finanziellen Einbußen. Ein klassisches Beispiel hierfür kommt aus dem Bereich der Immobilien: Eine Erbengemeinschaft kann sich nicht darüber einigen, was mit dem Immobilienerbe passiert. Verkaufen? Vermieten? Eigennutz? Letztlich sind die Fronten so verhärtet, dass einer der Erben eine Zwangsversteigerung bei Gericht erzwingt. Der Verkaufserlös liegt unterhalb des Marktwertes, wodurch alle Erben weniger Geld erhalten als möglich gewesen wäre.

Das Immobilienerbe und seine Besonderheiten

Immobilien sind häufig Bestandteil eines Erbes. Sie nehmen eine besondere Stellung beim Nachlass ein, denn sie lassen sich nicht wie Bargeld oder ein Aktienpaket einfach aufteilen. Die Erbengemeinschaft entscheidet gemeinsam, was mit dem Objekt geschieht. Das birgt häufig Streitpotenzial. Ein weiterer Aspekt betrifft den Immobilienwert. Ihn zu bestimmen, bedarf Fachwissen und Erfahrung. Aus diesem Grund sind Erben gut mit einem erfahrenen Makler oder einen Gutachter beraten. Handelt es sich um sehr sanierungsbedürftige Objekte, ist überaus wichtig zu wissen, wie teuer die Sanierungsmaßnahmen sind. Darüber hinaus ist der Immobilienwert für die Steuer entscheidend. Sie als Erbe geben dem Finanzamt über den Nachlasswert Auskunft, damit dieses evaluieren kann, ob Sie eine Erbschaftsteuer zu zahlen haben.

Vor dem Handeln: Sich gut übers Erbrecht in Deutschland informieren

Bereits diese wenigen Basisinformationen zeigen Ihnen auf, wie komplex das deutsche Erbrecht ist und wie viel es zu berücksichtigen gibt. Treffen Sie keine übereilten Entscheidungen. Bei Unsicherheiten ziehen Sie einen Experten heran, der Sie individuell berät.

Sobald der Nachlass eine Immobilie beinhaltet, ist eine Kontaktaufnahme mit einem Makler ratsam. Er zeigt auf, wie viel das Immobilienerbe wert ist und was Sie - aufbauend auf Ihrer persönlichen Situation - damit am besten tun sollten.

Wichtig: Die hier angebotenen Informationen ersetzen keine Rechtsberatung. Bitte wenden Sie sich an einen qualifizierten Anwalt, Fachanwalt oder Notar, um Ihre eigene Situation abzuklären.

(Stand März 2021)

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Photo by Sangga Rima Roman Selia on Unsplash

Posted 
Mar 19, 2021
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